Wer braucht noch PR? (1)

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13. September 2013

Wer PR, zumal online, mit SEO und SMM verwechselt, darf sich nach der Google-Novelle in den Suchmaschinen bald wieder hinten anstellen.

Als Google kürzlich ankündigte, die massenhafte Verbreitung von PR-Meldungen sowie suchmaschinenoptimierte Texte im Ranking herabzustufen, im Einzelfall sogar ganz aus dem Index zu nehmen, brach eine interessante Debatte auf. Interessant, weil darin widersprüchliche bis wirre Vorstellungen über Wesen und Ziele von PR zum Ausdruck kamen.

Ausgelöst hatte die Debatte das Portal ZDnet: Wer ernsthaft fragt “Hat Google mal eben die PR-Agenturen gekillt?” ist offenbar der Meinung, Hauptbeschäftigung und Daseinszweck von PR-Beratern seien SEO und der Massenversand von optimierten Pressemitteilungen.

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“Man bites dog”: Als Schlagzeilen-Garant in der PR bewährt.

Vorsicht vor PR-Beratern, die sich nur noch über SEO und SMM definieren

Einspruch: Wieso überhaupt “Pressemitteilungen” in hunderte Online-Portale drücken, die kein Journalist so richtig ernst nimmt? Als Recherche-Werkzeug stehen PR-Portale abgeschlagen auf Platz 6. Pressemeldungen sind doch eigentlich ein klassischer Service für Journalisten, und zwar die, welche für den Absender jeweils relevant sind. Das ist meist eine überschaubare Gruppe. Suchmaschinen zu füttern und Backlinks zu generieren ist nicht der vorrangige Zweck von Pressemeldungen. Und PR-Beratern, die sich selbst nur noch über SEO und SMM definieren, ist mit Vorsicht zu begegnen. Zumindest haben sie das große Ganze der “öffentlichen Beziehungen” – denn nichts anderes heißt Public Relations – aus den Augen verloren.

Im übrigen ist ja zu begrüßen, wenn die Tuner und Trickser sich in den Suchmaschinen demnächst wieder hinten anstellen müssen.

One content fits all – ein bequemer Trugschluss

Vorläufiges Fazit: Suchergebnisse erzielen, Kunden gewinnen und Medienbeziehungen pflegen sind sehr verschiedene Ziele, die nicht mit einem einzigen Tool und identischen Inhalten erschlagen werden können. Diesen verschiedenartigen Content zu konzipieren, zu erstellen und zu pflegen und schließlich in angemessene, kanalgerechte Formen zu gießen, ist eine Aufgabe der Public Relations. Damit möchte ich zugleich dem leider noch weit verbreiteten Mißverständnis begegnen, Agenturen und Pressestellen seien bloß zum Erstellen von Verlautbarungen und zum Versenden von Texten und Bildern gut.

Content-Plattform – dann macht sich PR nützlich

Schließt sich nur noch die Frage an, wer diese Aufgabe optimal erfüllen könnte: Marketingabteilung, Unternehmenssprecher, Kommunikationsabteilung oder externer Berater bzw. Agentur? Ohne Einbindung in ein Kommunikationskonzept sind operative Experten wie z.B. Social Media Manager, Fachjournalisten, Marketingassistenten oder Pressesprecher auf sich selbst gestellt. Die vielen medialen Möglichkeiten verlangen aber – davon bin ich überzeugt – viel dringender Übersicht und Strategie, Integration und Medienbeobachtung / Monitoring, als immer mehr Ressort- und Spartendenke mit immer mehr, teils blindem, Aktionismus.

Bewährt hat sich die Schaffung und Pflege einer Content-Plattform, wie ich sie seit Jahren empfehle. Ein Speicher voller Inhalte mit strategischer Ausrichtung. Und ständig im Fluss. Dazu gehört die Integration der verschiedenen Ausgabekanäle, einschließlich Corporate Media und audiovisueller Formate, und eine Redaktion, die nach journalistischen Kriterien agiert und entscheidet, was in welcher Form wann und wo gespielt wird. Wenn Unternehmen und Organisationen dazu bereit und aus “Bordmitteln” fähig sind – alles gut. Falls nicht: Gelbe Seiten … Oder hier anfragen.

Fortsetzung folgt in Kürze. Dann geht es um die Frage, welche Optionen der Public Relations angesichts des unaufhaltsamen Rückgangs der gedruckter Medien bleiben.

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