Warum wir Facebook nicht mehr nutzen

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13. März 2013

Ich habe heute unsere Seite in Facebook gelöscht. Warum, fragen verblüfft echte und selbsternannte Social Media Experten, wollt Ihr Facebook nicht mehr nutzen? Denkt nur an den Dialog mit Kunden, an die Perspektiven der Vernetzung, an die Reputation! Hört wenigstens zu. Nö, das sehen wir anders: Facebook sucks! Oder wie es die TAZ ausgedrückt “Liked me doch am Arsch!

Der potenzielle Nutzen rechtfertigt den Aufwand nicht.

Das meiste wusst man ja vorher, wir haben uns nicht in ein Abenteuer gestürzt. Facebook kostet Zeit, wenn man es mit Hingabe nutzen möchte. Diese Zeit konnten und wollten wir nicht mehr aufbringen. Die Seite war für 2p.jf ein zusätzlicher Ausgabekanal, eine weitere Visitenkarte im Netz. Inhaltlich fokussiert, bescheiden. Klar, raunen die Experten, so geht das ja auch nicht. Ihr müsst eure Community pflegen. Seid versichert, das tun wir. Auf unsere Weise, offline wie online. Allerdings dort, wo es auch für uns Nutzen bringt und nicht nur der Bespaßung anderer dient. Wo wir uns nicht gottergeben den sich ständig ändernden Spielregeln eines Konzerns unterwerfen sollen.

Mein persönlich meistgehasstes Posting im Social Web. Noch so ein Grund, Facebook nicht mehr zu nutzen.

Mein persönlich meistgehasstes Posting im Social Web. Noch so ein Grund, Facebook nicht mehr zu nutzen. (Bildnachweis: http://www.xspone.com und http://sphotos-a.xx.fbcdn.net)

Facebook schart Privatmenschen um sich und die sind nicht die primäre Zielgruppe für das, was uns bewegt: PR und Publishing. Etwas völlig anderes ist es, wenn Unternehmen und Organisationen ihren Kunden folgen. Oder Multiplikatoren ihrem Publikum. Sei es, um die Reichweite zu steigern, Fans an die Marke zu binden, zum Zwecke der Rekrutierung von Mitarbeitern, zur Pflege der Arbeitgebermarke oder für gezielte Themensetzung und Kampagnen. Das ist nicht nur ok, dazu möchten wir auch ausdrücklich raten – Strategie und Monitoring vorausgesetzt. Der wahre Charakter von Facebook ist eben weniger der eines Web 2.0-Netzwerks als der eines Massenmediums. Allerdings – und das ist die neue Qualität – kombiniert mit geradezu totalitärer CRM-Logik – beschönigend Rückkanal genannt.

Richtig “dabei sein” darf nur, wer alles preisgibt …

Was jedoch für mich den letzten Ausschlag gab, ausgerechnet aus diesem sozialen Netzwerk auszutreten, das als das populärste und einflussreichste der Welt gilt, war die zunehmende Unsichtbarkeit unseres Profils. Wir gingen Facebook nicht auf den Leim, etwa indem wir Kontakte upgeloaded, Privates preisgegeben, uns mit weiteren Diensten des Konzerns verknüpft hätten. Die Quittung für latente Spielverweigerer wie uns: ein für andere Nutzer nahezu unsichtbares Profil. Weniger Traffic = weniger Relevanz führt zu weniger Auffindbarkeit, usf..

Dazu gesellte sich Schabernack wie die Zwangsbefüllung der Timeline ohne nennenswerte Vorwarnung. Die willkürliche Indexierung von Inhalten in Suchmaschinen, die eigentlich durch Privateinstellungen geschützt sein sollten. Oder wie in unserem Fall das Abschalten von Grundfunktionen wie die Suche nach Mitgliedern bzw. Profilen. Das ist absurd. Hinzukommen vermehrt Tools für eine semantische Suche, die auch vor geschützten Einträgen nicht halt machen.

Man stelle sich einmal vor, einer Ihrer Geschäftspartner änderte bald täglich seine Geschäftsbedingungen. Mit einer Ausnahme selbstverständlich: Dass er das qua Geschäftsbedingung darf. Und mit der Begründung, die Welt besser zu machen. Wo gibt es einen besseren Blankoscheck?

… oder Anzeigen schaltet

Es ist nicht so, als wäre unsere Facebook-Karriere alternativlos verlaufen. Anzeigen schalten hätte man können, wie die kommerziellen Riesen auch. Für sie ersinnt Facebook immer neue Formate. Die nächsten Schritte der Monetarisierung sind längst geplant. Das ist nötig, denn die Shareholder hatten beim Börsengang große Hoffnungen in den Konzern gesetzt. Wenn sich aber Facebook zu einem just-another-Werbe- und Marketingkanal, allerdings mit weitgehend intransparenten Strukturen und Konditionen wandelt, dann greift diese Logik: Der Netzwerk-Charakter verwässert weiter, die Einbahnstraßen-Kommunikation kehrt durch die Hintertür zurück.

Aus all diesen Gründen hat dieser Onlinedienst – jedenfalls für uns – keine Relevanz mehr. Deshalb werden wir Facebook nicht mehr nutzen.

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