…über alles in der Welt

Kommentare deaktiviert für …über alles in der Welt

26. Oktober 2012

Lassen Sie uns nicht wiederholen, was alle eh schon auswendig aufsagen können: Wieviele Klicks und Likes und Posts und Shares und Tweets und überhaupt der Sprung von Felix Baumgartner aus über 39.000 Meter Höhe auf die Erde dem Sponsor eingetragen hat.

Da erkennen sogar brave Medien, die im übrigen größten Wert auf Werbe- und PR-Freiheit legen, voller Ehrfurcht: Baumgartner-Sprung war eine „grandiose Werbekampagne“. Und heben das Event ein zweites Mal auf den Titel. Na also, geht doch.

Gaaanz toll finden viele auch, dass das Event in eine Talkshow verlängert und nochmals medial abgekocht wird. Ja, zapperlot, diese Teufelskerle denken aber auch an alles. Ei so ein Zufall, dass der betreffende Sender ebenfalls zum Firmenimperium gehört.

Verglichen mit 600 Mio. Euro, die das Unternehmen angeblich jährlich in Sponsoring-Maßnahmen steckt und verglichen mit dem, was in der Formel 1 üblich ist, sei das Budget von 50 Mio. Euro geradezu lächerlich klein, lässt uns der Chef der weltumspannenden Agentur KetchumPleon wissen.

Also noch ein Tusch, diesmal auf die großartige Effizienz der Aktion. Maßstäbe seien gesetzt worden und Großes vollbracht, twittert und postet die Szene bis zum Abwinken. Hurra, wir haben einen neuen Marketing-Heiland!!

Liebe Marketing- und PR-Jünger, Hofschranzen und Gurus, gestattet uns die Frage: Wo ist bei alledem die Kunst? Worin besteht die angeblich so vorbildliche Leistung der Strategen? Der Spruch „Verleiht Flügel“ wurde live bebildert. Ok, das ist schlüssig, sensationell und potentiell hochwirksam. Sollte so nicht jede gute Kampagne sein?

Und ansonsten? Mit Medien-Hype war zu rechnen. Die Rückversicherung: eigene Medien und Multiplikatoren, die ebenfalls auf der Payroll stehen.

Also, noch einmal: wo ist die Kunst? Es wurde Geld in die Hand genommen, relativ viel Geld. Das gebt ihr ja selber zu.

Jetzt stellt euch mal einen Moment lang vor, das Budget wäre kleiner, sehr viel kleiner. So klein, wie bei mittelständischen Unternehmen und start-ups. Wie im B2B-Bereich zum Beispiel. Dann wäre euer Latein am Ende. Nix Kampa und Hosianna! Dann müsstet Ihr euch wirklich mal was einfallen lassen.

Gar nicht so einfach, gell? Vielleicht besteht Kunst ja darin, aus ganz ganz wenig etwas Optimales zu machen, statt etwas Ultimatives, hm? Und das immer wieder aufs Neu, statt einmal und nicht wieder.

Weitere Beiträge zu ähnlichen Themen:

Kommentare geschlossen.