Spiel mir das Lied von der Qualität…

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29. September 2010

Fast drei Viertel der Journalisten (71%) beachten die wie Pilze aus dem Boden geschossenen PR-Portale nicht. Auch die Archivierung von Presseinfos auf Webseiten von Unternehmen und Organisationen lassen die Profis weitgehend kalt. Sie wünschen sich lieber Hintergrundinfos und weiterführende Links, Illustrationsmaterial wie Bilder und Infografiken zum Download. Selbstverständlich behalten sie sich eigene Recherchen vor.

Dies sind Ergebnisse einer umfassenden Studie des Journalistenzentrums Wirtschaft und Verwaltung in Dortmund.

83 Prozent wandern in Ablage “P”

Pech für die Verfechter der Top-down Kommunikation in Pressestellen von Unternehmen und Organisationen: Journalisten-Angaben zufolge sind insgesamt 83 Prozent der eingehenden Presseinfos nicht verwendbar! Weil sie beispielsweise zu etwa 40 % nicht ins Ressort passen. Oder keine inhaltliche Relevanz haben. Oder einfach handwerklich mangelhaft sind.

Redakteure tagesaktueller Medien erhalten im Schnitt mehr als 70 Presseinformationen am Tag. Der Aufwand, sie zu sichten und auszusortieren, variiert größtenteils zwischen einer (28%) und zwei Stunden (22%), manchmal länger.

Nebeneffekt des Information-Overkill: Je mehr Zeit für das Aussortieren unbrauchbaren Materials benötigt wird, desto weniger bleibt für die inhaltliche Bearbeitung. Darunter leiden letztlich auch die „gelungenen“ Presseinformationen.

Viel hilft wenig!

Ein Fazit des Projektleiters der Studie, Jörg Levermann: „Presseinformationen pointiert inhaltlich auszurichten und treffsicher zuzustellen ist also auch unter den Bedingungen der digitalen Kommunikation wichtiger als deren Frequenz und Streuung.“

Dabei ständen die PR-Verantwortlichen allerdings vor einem grundsätzlichen Dilemma: Ihre Auftraggeber – Management, Gremien etc. – haben gelernt, dass Wiederholungen, Anordnungen und Nachdruck – kurz: Hierarchie – üblicherweise zum Erfolg führen und übertragen dies intuitiv auf den Kommunikationsalltag. „Bringen Sie uns in die Presse“ und „Viel hilft viel“ lauten die Devisen. Die Studie dagegen bescheinigt dieser Vorgehensweise erhebliche Streuverluste und Wirkungslosigkeit.

Wer jetzt nicht ins Nachdenken kommt…

Dass man einen Teil der Öffentlichkeitsarbeit elegant und effizient mit einem Social Media Newsroom lösen kann, wurde an dieser Stelle schon gesagt. Dass im übrigen Inhalte, Originalität, Kreativität – also: Qualität – trumpfen, ist ein altes Lied.

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