“Beraten Sie nur oder tun Sie auch was?”

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7. Februar 2013

Diese Frage stellte mir kürzlich ein Leiter Corporate Communications und ich hatte es schon fast vergessen. Peer ist an allem Schuld. Auch daran, dass ich jetzt weiter ausholen muss. Geht schon los: Was ist eigentlich schlimm daran, wenn ein Politiker eine Kampagne im Internet (igitt!) aufsetzt oder aufsetzen lässt? Nix. Was ist aber falsch, wenn er sich dazu herablässt, zu bloggen oder Social Media zu nutzen? Genau: die Herablassung. Diese Haltung verrät, dass es einem nicht wirklich ernst ist und man auch eigentlich gar nichts eigenständiges, interessantes oder gar kanalgerechtes zu sagen hat.

Online-Medien zeichnet aus, dass es noch kaum Konventionen gibt, irgendwelche Do’s und Don’ts, gegen die verstoßen werden könnte. Obwohl Gurus, äh Moderatoren der Szene, das immer wieder predigen. Stattdessen gibt es – im Unterschied zu klassischen, über Generationen erprobte Medien – ein mächtiges Regulativ: die Empörung der Andersdenkenden, die sich Tsunami-gleich aufbäumen kann. Via Verlinkung, Vernetzung, Schneeball-Effekt und Ausstrahlen auf die klassischen „Offline-Medien“ bis hin zu den sprichwörtlichen Stammtischen und Friseurläden, sozusagen den Living Deads der Kommunikation. Aufbäumen kann – aber eben nicht muss. Den Unterschied zwischen Shit- bzw. Candy-Storm und Vergessen macht oft nur eine winzige Formulierung, eine Tonalität, eine schräge Metapher, ein ungewöhnlicher Kontext aus.

Nun also der Peer. Wer Zeit hat, mag hier Erschöpfendes (!) dazu lesen. Eben war er noch stolz, mittels www.peerblog.de mit dem für seinen Online-Wahlkampf allseits bewunderten Obama gleich ziehen zu können. Schon sieht er sich erneut gezwungen, seine Strategie zu revidieren. Hat er überhaupt eine? Hat er sich das selbst ausgedacht oder sind seine Berater Vollpfosten oder ist er beratungsresistent?

Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass es in manchen Unternehmen und Organisationen nicht viel anders bestellt ist.

„Wir müssen das Thema Social Media jetzt mal angehen. Deshalb suchen wir jemand – hüstel, grins – der, sagen wir mal, uns ein Facebook-Profil anlegt und selbstständig für Inhalte sorgt. Wir steuern unsere Pressemitteilungen bei, das ist schon die halbe Miete. Wichtig ist uns: Wir wollen nicht Samstag Abends noch irgendwelche Post beantworten müssen, das soll jemand machen. Wie lautet Ihr Vorschlag?“

Das ist mehr oder weniger der Originalton aus der oberen Etage eines weltumspannenden B2B-Konzerns. Da wird das Pferd nicht von hinten aufgezäumt, sondern von unten. Von ganz unten. Kein Denken daran, ob ein Facebook-Profil überhaupt sinnvoll oder welches strategische Thema zu belegen wäre, welche Position man zu diesem Thema bezieht, wer die Zielgruppe sein könnte und welchen Nutzen man ihr bieten sollte. Welche Kanäle man zu welchem Zweck einspannen will, was überhaupt erreicht werden soll …

Ei, was zicken Sie denn da rum, „beraten Sie nur oder tun Sie auch was?“

Eins ist klar: So wird’s nix mit der Zielgruppe. Nicht auszuschließen ist freilich, dass sich ein Dienstleister findet, der alle Wünsche erfüllt. Oder man stellt einen hippen Social Media Manager ein, der’s richten soll. Immerhin wäre das eine Person, welche das Unternehmen glaubwürdig repräsentieren kann. Aber Outsourcing à la Peer geht sehr wahrscheinlich in die Hose – im Falle des Unternehmens nicht etwa aus Gründen der politischen und gesellschaftlichen Brisanz, sondern wohl eher wegen grassierender Bedeutungslosigkeit.

Nachtrag 8.2.: Kaum 10 Stunden nach Veröffentlichung wäre dieses Thema etwas anders geschrieben worden, denn da war die Site von peerblog bereits geschlossen. Ansonsten sind alle Inhalte weiterhin zuteffend und aktuell.

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